Die re:publica-Kommentarwand

Als wir vor über einem Jahr während der Vorbereitungen zur ersten re:publica überlegten, wie man die Kommentarfunktion von Blogs auch während der re:publica abbilden könnte, kam Max auf die schöne und im Verlauf der Konferenz auch mit viel Augenzwinkern genutzte Idee der SMS-Wand (und programmierte diese auch): Auf einer Leinwand neben dem Redner erschienen SMS-Nachrichten, die Besucher an eine bestimmte Nummer geschickt hatten. Vorteil: Für jeden auch ohne Laptop nutzbar und anonym. Nachteil: Kostet eine SMS.

Nun gibt es einige Blog-Stimmen, die neben der Unwahrheit, wir würden an diesen SMS Geld verdienen, ihren Unmut darüber äußern, dass die Wand keine Twitter-Wand sei.

So schreibt Ute Moritz:

Ihr richtet keine Twitter-Wall ein und anstatt dessen dürfen INTERNETUSER ihre Fragen, Emotionen und Meinungen via Sms loslassen? Und das alles kostet Geld und wird im Anschluss leicht zensiert und auf einer großen Videowall wiedergegeben?!?! Ganz ehrlich jetzt: Ist das nicht etwas zu alternativ 0,0″? Vor allem dann. wenn ich 90% eurer Gründerschar zu den “Viel-Twitteren” zähle. Viele schließen daraus: “Einnahmequelle und Geldgjer”?

Rein faktisch: Die SMS-Wand ist keine Einnahmequelle der re:publica, da man keine Premium-, sondern eine reguläre SMS an ein reguläres Handy schickt, das an einen PC angeschlossen ist. Wären wir jedoch an den SMS beteiligt, hätten wir im letzten Jahr bei angenommenen 5 Cent Beteiligung pro SMS die Summe von 43 Euro verdient, denn es waren 860 SMS-Nachrichten, die geschickt wurden. Die Tatsache, dass wir an den SMS nicht mitverdienen, wurde im letzten Jahr deutlich kommuniziert und hätte auch jetzt noch bei uns nachgefragt werden können.

Wie Ute auf die “leichte Zensur” kommt, ist mir ebenfalls rätselhaft. Jede SMS geht ungefiltert auf die Leinwand, die Absendernummer wird jedoch aus Datenschutzgründen gekürzt. Das ist in meinem Wörterbuch keine Zensur, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Doch auch der Sichelputzer stimmt Ute in ihrem Ärger zu:

Wie bereits Ute bloggt, muss man scheinbar bei der re:publica auf das Twittern verzichten. Stattdessen ist eine kostenpflichtige SMS Nummer zu verwenden, damit man auf der old-school Videowand mit dabei sein darf. Sind wir hier bei einer “Call-In-Show” oder einer Messe, die durch entsprechend hochpreisige Sponsorengelder sowie finanzielle Unterstützung durch diverse staatliche Organisationen einen kulturellen Anspruch erhält? Das muss doch nicht sein, dass man bereits zahlende Besucher vom öffentlichen Twittern abhält, dafür jedoch Zahlemann&Löhne einführt… :)

“Auf Twitter verzichten” muss selbstredend niemand während der re:publica und es wird auch keiner “davon abgehalten”. Ich gehe sogar davon aus, dass sehr viel getwittert werden wird, nur wird dieser Stream nicht auf eine Leinwand neben den Rednern übertragen, das ist korrekt. Der Ausdruck “kostenpflichtige SMS-Nummer” suggeriert eine spezielle Nummer, was nicht der Fall ist, siehe oben. Wer also z.B. ein SMS-Flatrate-Paket hat oder einen Free-SMS-Anbieter benutzt, kann diese Dienste auch bei der Kommentar-Wand nutzen.

Kommen wir zu dem generellen Ansatz, die Kommentar-Wand technisch per Twitter zu realisieren. Möglich wäre es. Aber will man das?

Denn abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass “alle Anwesenden sowieso twittern”, würde man damit jeden anderen, der einen Kommentar abgeben will, zu einem Twitter-Account “zwingen”. Ein Handy hingegen besitzt bereits so gut wie jeder. Und: Die Wand soll tatsächlichen Kommentaren zum aktuellen Vortrag dienen und kein Live-Chat sein. Wir glauben, dass eine Twitter-Wand allein durch die zu erwartende Hochfrequenz der Posts sehr stark vom Vortrag ablenken könnte. Die von Ute als besseres Beispiel angeführte Twitter-Wand der Next07 stellte bspw. auch viele Tweets dar, die gar nicht für die Konferenz gedacht waren (und tut das immer noch) und die inhaltlich damit nichts zu tun hatten.

Und: Bei einer Twitter-Wand sind anonyme Kommentare umständlicher, man müsste sich dafür einen neuen, quasi-anonymen Account zulegen.

Es geht uns bei der Kommentar-Wand in erster Linie darum, den Besuchern vor Ort die Möglichkeit eines Kommentars zu geben und nicht darum, Teile des Twitter-Universums neben den Vorträgen zu übertragen. Denn während man von “außerhalb” wohl eher selten die Kosten einer SMS auf sich nimmt, um eine Nachricht in die Konferenz zu senden, würde eine Twitter-Wand mit Sicherheit ein konstanter Live-Chat mit Teilnehmern der Konferenz und Nichteilnehmern werden. Das wäre ganz bestimmt auch sehr unterhaltsam und wird per Twitter sowieso stattfinden, ist aber für die Vorträge nicht, was wir bezwecken.

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Comments

Auf was für Vermutungen manche Leute kommen.

Prinzipiell finde ich die SMS-Wand schon OK. Die hohe Frequenz an Twitter-Postings wäre wahrschienlich wirklich etwas viel für die Vorträge. Aber vielleicht wäre eine Twitter-Wand in einem nicht für Vorträge genutzten Raum ganz nett? Ist nur so eine Idee.

@marcel: Das ist ja okay. Aber mal kurz nachfragen, um reine Vermutungen zu vermeiden, wäre speziell bei dem Vorwurf, wir würden uns mit den SMS die Taschen vollmachen wollen, einfach … nett.

@Michael: Haben wir auch überlegt. Aber will jeder, der twittert, auch außerhalb von Twitter “live übertragen” werden? Ich mein, wer Twitter verfolgt, tut das doch eh mit dem Handy oder Laptop.

Ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen und finde Eure Entscheidung sehr verständlich. Trotzdem würde ich mir eine Twitter-Verschaltung wünschen. Was wäre z.B. mit einem Twitterbot, dem man deine Direct Message schickt, die dann angezeigt wird? So käme auch kein irrelevanter Kram auf die Wand, weil das ebenso bewusst geschieht, wie eine SMS, kostet aber den Twitterern (also den meisten) keinen Cent.

Ach so. Ich mein das natürlich zusätzlich, also eingewebt. SMS aber zusätzlich auch direct messages.

Ach Kinder. Natürlich wäre es technisch machbar, dass man Direktnachrichten auf der Wand via Twitter empfängt. Ich wollte das aber nicht machen, weil ich ein wenig befürchte, dass dann sinnlos Nachrichten geschickt werden, einfach “weils geht. hihi.” Gabs ja letztes Jahr auch schon ein paar.

Und irgendwie will nicht in meinen Schädel, dass Leute, die auf eine Konferenz fahren, plötzlich Probleme wegen zusätzlichen Kosten von einem Euro dreizehn bekommen sollen. Wenn euch das zu teuer ist: dann lasst es.

@Johnny das mit dem Nachfragen kommt noch dazu. Ist ja nicht so, dass Ihr nicht erreichbar seid. Zeit für nen Blogeintrag aber nicht für ne Mail. naja

Die Twitterwand ist nicht der republica Twitteraccount, sondern das miteinander-gequatsche mit der Masse, die einem “with others” folgen.

Man kann den Twitteraccount für die Twitterwall ja so einrichten, dass genau diese “With Friends” Option nur während der Konferenz/Messe/etc. aktiv ist. Danach followed man den ganzen Leuten einfach nicht mehr und die Twitterwall ist damit leer. So umgeht man das hierbei auftretende Longtailproblem der belanglosigen Inhalte nach Ende der Veranstaltung - und man hat Kommunikation ohne gesonderte Kosten.

Vielleicht kann man es ja wunderbar kombinieren, indem man einfach zwei Walls laufen lässt - das wäre ein interessanter Test um zu sehen, wo mehr Konversation betrieben wird - und wo inhaltliche Kompetenz aufkommt - bei der Twitter Wall oder bei der SMS Wall.

Die Idee mit der Direct Message finde ich sehr gut. Der Vorteil einer Twitterwand ist aber z.B. auch noch mitzubekommen, wer sitzt noch mit mir in einer Veranstaltung. Das ein zu häufiges Gezwitschere vom Vortrag ablenkt glaube ich auch - per DM könnte man dies aber, wie mspro es schon vorgeschlagen hat, eindämmen.
Zum Thema Anonymität: Warum? Wenn ich eine Anmerkung zu einem Vortrag hab, steh ich doch auch dazu. Die Anonymisierung wirkt einer offenen Diskussion kontraproduktiv entgegen.

Ähhh, max. Du erwartest nicht wirklich _sinnvolle_ Nachrichten, oder? Ich meine egal ob SMS oder Twitter.
Ich meine auch, dass das noch andere Vorteile hat. Twitterer könnten so z.b. auch mit usernamen kommentieren.
Außerdem habt ihr damit ja auch ne gewisse Kontrolle, weil man demjenigen follown muss, der eine dm schicken will. Wenn also wirklich einer nervt wird kann man den entfollown und gut ist.

Fragen? Wieso Fragen? Bekommt man dadurch ‘ne Twitter-Wand?

Ich will Twittern! Ich will öffentlich Twittern! Ich will, ich will, ich will! Rabäh!

Die kleinen Twitterer wollen an der Kasse 27 abgeholt werden.

Ganz ehrlich: ‘n kleiner Digi-Schnuller für die Twitterkinder ist nicht schlecht.

Kurze Erinnerung: Als Referent würde ich gerne die Kommentarwand im Auge behalten und diese Kommentar ganz gerne auch einbeziehen. Falls ihr da eine Umsetzungs-Idee habt, würde ich das begrüßen :-)

Was heisst sinnvoll? Nicht zu viele, und mit einem gewissen Bezug zum Thema. Ich möchte z.B. verhindern, dass jemand alle Nachrichten durch dauertweets rausscrollen lässt. Twitterer werden übrigens auch so mit usernamen kommentieren können, sogar mit Bildchen. Sie werden sogar per Direktnachricht über Antworten auf ihre SMS informiert. Die meisten, die sich über die SMS Wand aufregen, scheinen sie sich nicht mal angesehen zu haben.

@Torsten: Es soll ein Monitor für die Redner vorhanden sein, der die Kommentare zeigt. Ich persönlich überlege, die Kommentar-Wand während meines Vortrags abzuschalten und erst *nach* dem Vortrag wieder für Kommentare zu öffnen. Sollte eine Option für alle Redner sein, finde ich.

SMS finde ich völig okay. Habe zwar keine SMS-Flatrate. Aber 150 SMS pro Monat sollten auch mit re:publica locker reichen.
Ausserdem bin ich gar nicht bei Twitter, mein Username war nämlich schon weg. Und bei Twitxr geht Zwitschern auch mit Bildern ;-)

Kaum zu glauben, dass zwei der grössten Selbstdarsteller auf der Next07 Twitter-Wand befürchten, sie könnten keine Show mehr auf der re:publica aufziehen. Fehlt ja nur noch Ibo in der Kritiker-Schar. Bleibt beim alten Prinzip. Da kam zwar auch eine Menge Müll an, aber sobald Fotos und Nicknames der Beteiligten zu sehen sind, motiviert dies leider die Selbstdarsteller, ständig Schwachsinn zu posten und eine schlechte Show abzuziehen.

@Johnny: Vielleicht kann man beides machen. Redner und Kommentare erlauben. So mit einer Art Split-Screen.

@Gernot - Hast Du ein Problem damit, wenn das Web 2.0 zur Selbstdarstellung von Leuten wie (in diesem Fall) mir selbst genutzt wird? Außerdem frage ich mich, was für eine Show man auf der re-publica aufziehen sollte, wenn es um die Vorträge geht, denen man lauscht. :)

Eine reine Twitterwand wäre Blödsinn weil damit eine Menge von Dingen mit durchlaufen würde, die nix mit der republica zu tun haben.

Direct messages erfordert, daß irgendjemand Twitter programmiert und dafür sorgt, daß jeder follower auch eine DM senden kann.

So wenig ich auch von SMS halte: die Lösung existiert und funktioniert.

Wenn möglich wäre die DM Lösung schön, hier könnte man sagen “wer DM senden können will, muß bis Tag x den User republica als Freund hinzugefügt haben”.

[...] der re:publica ‘08 wird es eine SMS-Wand geben. Vermutlich wieder im großen Saal neben dem Podium. Mehr zum letzten Stand der Dinge gibt es [...]

Eine Twitter-Wand halte auch ich für unsinnig, da schließe ich mich Gernot und Nicel an. Sie würde durch viel zu viele kontextfreie Tweets uninteressant. Die SMS-Wand ist zwar oldskool, kann jedoch von jedem anonym genutzt werden. Letzteres ist mir dabei besonders wichtig! Eine Alternative wäre vielleicht ein anonymer Backchannel wie man ihn bei Onelinr bekommen kann. Dieser wurde letztes Jahr schon ganz gut angenommen und während der Sessions zur anonymen Kritik genutzt. Leider ist Onelinr gerade down.

Mir ist es egal, welche Lösung gemacht wird. Ich hab 150 frei SMS (und komme so im Monat maximal auf 10 Stück) und twittere auch gerne.

Als technische Anregung für Twitter würde ich die Verwendung von Hashtags in den Twitterposts vorschlagen. So kann man dann nur Posts, die mit #rp08 getaggt wurden, anzeigen lassen. Z. B. mit http://hashtags.org

Schön wäre auch eine Wand, die gleich alle relevanten Plattformen (Twitter, Flickr, YouTube, Technorati, …) nach Tag gefiltert aggregiert. Aber das muss wirklich nicht neben dem Vortrag laufen, sondern wäre ideal unten im Aufenthaltsraum/Lobby.

Für das das Barcamp Hannover gab (und gibt) es ähnliches auf Basis von http://soup.io : http://bchannover.soup.io

Es müsste halt im Vorfeld und auf der re:publica ein entsprechendes Tag kommuniziert werden, dass dann auch verwendet wird. Aber sicherlich gibt es das schon?

Okay, okay. Gerade gesehen: http://republica.soup.io
Ihr seid nicht auf den Kopf gefallen. ;)

Okay, okay. Das ward Ihr wohl gar nicht: http://www.alltagskakophonie.de/2008/03/21/die-mar-von-den-wanden Ist trotzdem gut.

[...] wird über die Entscheidung der re:publica-OrganisatorInnen diskutiert, genau wie im letzten Jahr per SMS zu fütternde [...]

Ich finde die SMS-Lösung super. Nicht jeder hat einen Twitter-Account, nicht jeder hat sein Laptop auf den Knien während eines Vortrags und die paar Cent für eine SMS wird man wohl auch noch übrig haben (wenn einem der Kommentar wichtig ist).

[...] Betreibern von Social Networks (StudiVZ, mySpace, Mixxt) zum Thema Datenschutz im Internet. An der SMS-Wall können die Teilnehmer direkt ihren Meinung zum Gesagten abgeben. Verwandte Artikel:re:publica [...]

[...] ich muss sagen: es ist mal wieder schön! Vieles ist ähnlich wie im letzten Jahr, z.B. gibt es die SMS-Wall wieder. Hier konnte sogar auch mit Twitter-ID kommentiert werden. Die Kalkscheune ist eine super [...]

Wo gibts die Nummer? :-)

Wenn ich schon krank zuhause sitze, dann hätte ich auch gerne die Nummer um ab und an einen launigen Kommentar loszulassen.

[...] Livefeedback für Dozenten, Lehrende (vgl. Twitterwall auf der re:publica) [...]

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