Debatte: Brauchen wir eine Blogger-Ethik?

Aus unserer Sicht ist es sehr erfreulich, dass sich in den vergangenen Tagen eine globale Debatte rund um ethische Fragen beim Bloggen gebildet hat. Als wir mit den Planungen der re:publica begannen, stand dieses Thema ganz oben auf der Liste. Dass wir damit hochaktuell sein werden, konnte niemand ahnen. Daher freuen wir uns auf das Panel “Brauchen wir eine Blog-Etikette?“, welches am Mittwoch zwischen 16:00 - 17:30 Uhr im grossen Saal stattfinden wird.

“Freiheit besteht darin, daß man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet.” Wie weit geht die Freiheit des Einzelnen im Netz? Wieviel Respekt ist nötig, um die virtuelle Gesellschaft zu einer lebenswerten zu machen? Ob die Erfahrungen der 90er Jahre mit Usenet und Netiquette auf das heutige Netz übertragen werden können, ob sich ein freiwilliger Codex überhaupt durchsetzen und wie er aussehen könnte soll dieses Panel diskutieren.

Auf dem Podium sitzen der Bild-Blogger Stefan Niggemeier, der sicherlich seine Erfahrungen aus der journalistischen Welt beisteuern kann. Diskutieren wird er mit Johnny Haeussler von Spreeblick und Professor Dr. Rainer Kuhlen, der sich u.a. mit Informationsethik beschäftigt. Und mitdiskutieren soll auch das Publikum. Wir freuen uns auf die Debatte!

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Ein Auszug aus meinem Blogbeitrag zum Thema: http://junge.yiggblogs.de/2007/04/10/code-of-conduct-netiquette-und-freiwillige-selbstbeschrankung/

O’Reilly empfiehlt - und legt bereits einen ersten Entwurf vor - einen Code of Conduct, oder auch Netiquette genannt: also eine Art Hausordnung für das Web 2.0. Im Unterschied zur herkömmlichen Hausordnung, die vom Hauseigentümer festgelegt und von Hausmeistern exekutiert wird, besteht ein Code of Conduct aus einer Sammlung von Verhaltensregeln, die sich die Mitglieder (des Web 2.0) selbst geben bzw. damit im vorhinein einverstanden sind und die auch durch die Mitglieder überwacht werden. Also in bester Web 2.0-Manier stellt ein Mitglied ein Fehlverhalten eines anderen Mitglieds fest, meldet dies und es kommt zu einer Sanktion. Noch besser: ein Mechanismus eines Abstimmverhaltens der Mitglieder führt zu einer Sanktion - wie im Falle von YiGG, wenn Nachrichten nicht der Netiquette (siehe Einstellprozess einer Nachricht) entsprechen und sie von vielen Mitgliedern “gemeldet” werden, wird diese Nachricht aufgrund dieser “Abwahl” entfernt.

Grundsätzlich sehe ich zwei zunächst unvereinbare Positionen:

1. Die völlige Freiheit der Meinungsäusserung
Jeder Nutzer soll alles sagen können, was er denkt - unabhängig von seiner Wirkung, Interpretation usw.. Das Gut Meinungsfreiheit ist höher einzuschätzen als mögliche negative Konsequenzen.

2. Die Beschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit
Meinungen bzw. Aussagen des einen Nutzers können die Freiheit eines anderen Nutzers einschränken, indem sie beispielsweise beleidigend wirken/sind. Daher sollten bestimmte Aussagen bzw. Meinungen nicht veröffentlicht werden. Die Meinungsfreiheit des Einen endet an der Freiheit des Anderen.

Auf YiGG habe ich selbst die folgende Beobachtung gemacht:

Die auf YiGG geltende völlige (im Rahmen der geltenden Gesetze) Meinungsfreiheit führt in den allermeisten Fällen zu einer interessanten Mischung aus Meinungen, Statements und Standpunkten. In einigen Fällen werden Nachrichten so häufig von Mitgliedern gemeldet, bis sie von der Bildfläche verschwinden - das o.g. “Abwählen” findet statt. In vereinzelten Fällen allerdings werden Moderatoren bzw. Admins angeschrieben, um in aus Diskussionen sich ergebenden Streitfällen zu schlichten bzw. zur Einhaltung der Netiquette aufzurufen.

Diese Einzelfälle sind im Verhältnis zur Gesamtnutzung quantitativ nicht signifikant, auf die einzelnen betroffenen Nutzer können sie jedoch persönlich wichtig und tiefgehend wirken, wenn er/sie beispielsweise beleidigt worden ist. Daher muss jeder dieser Fälle gelöst werden - mitunter auch ausschliesslich im Kreise der Beteiligten, wenn eine Kontroverse in einem persönlichen Streit eskaliert ist.

Mein persönliches Fazit aus der Erfahrung von YiGG ist:

Ein Code of Conduct ist vielleicht nicht ein Allerheilmitel für alle möglichen Streifälle der Meinungsfreiheit, aber wenn Nutzer eine Leitlinie haben, an der Verhalten ausgerichtet werden kann, scheint mir dies ein wichtiger, ja geradezu notwendiger Schritt hin zu einer demokratischen Kommunikationskultur zu sein. Auf YiGG werden wir daher auch zusätzlich zur Mini-Netiquette beim Nachrichten-Einstellprozess eine erweiterte Netiquette einführen, die wir mit dem Input unserer Nutzer entwickeln wollen. Tim O’Reilly’s Initiative begrüsse ich daher ausdrücklich und ich denke, dass die daraus entstehende Diskussion viele wichtige Aspekte hervorbringen wird, die die Kommunikationskultur fördern werden.

[...] Diskussion (bei der ich auch auf dem Podium saß) fasst Stahlhut so zusammen: Am Ende einigt man sich darauf, keine neue Ethik für das [...]

[...] über einen Code of Conducts für Blogger diskutiert. (Lesen Sie z.B. die Debatte auf der re:publika, bei jurablogs und insbesondere bei [...]

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